Content Marketing: Einmal mit Profis arbeiten

Bloggerin von oben: Jessica Schobers Hubschrauberflug gibt es auf Youtube zu sehen. Screenshot: Youtube.

Bloggerin von oben: Jessica Schobers Hubschrauberflug gibt es auf Youtube zu sehen. Screenshot: Youtube.

Die Idee war großartig, das Konzept gut formuliert, und bei der Umsetzung wollten der Chefredakteur der „Rhein-Zeitung“ und die Vertreter der Landesregierung von Rheinland-Pfalz auf Nummer sicher gehen.  „Einmal mit Profis arbeiten“, werden sich Christian Lindner (Rhein-Zeitung), Rainer Zeimentz (Innenministerium) und Thomas Metz (Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz) gedacht haben, als sie aus Hunderten von Bewerbern eine professionelle Journalistin auswählten.

So kam Jessica Schober aus München zu einem Job als Burgenblogger in einer der bekanntesten Landschaften Deutschlands,  dem Welterbe Oberes Mittelrheintal rund um die Loreley. Die Casting-Gewinnerin war perfekt ausgebildet (Deutsche Journalistenschule), interessierte sich leidenschaftlich für Lokaljournalismus, hatte ein eigenes, viel beachtetes Blogprojekt namens Wortwalz gestemmt und überzeugte durch eine mitreißende Bewerbung auf Tumblr.

Sechs Monate sollte sie auf einer Burg hoch über dem Rhein leben und frei und ungezwungen über die Region und ihre Menschen schreiben. Eigene Projekte und Aufträge Dritter waren weiterhin möglich, es gab ausdrücklich keine Exklusivvereinbarung. Neben der Unterkunft auf Burg Sooneck bekam sie 2000 Euro monatlich, einen Dienstwagen und ein Handy.

Am Mittwoch hat die Burgenbloggerin das Projekt nach weniger als vier Monaten abgebrochen. In einem letzten Artikel erklärt sie:

Als Burgenbloggerin war ich angetreten, um eine neue Art des Lokaljournalismus auszuprobieren. Dabei habe ich gemerkt: Wer über Menschen berichten will, sollte unter Menschen leben. Mitten im Mittelrheintal. Nicht 300 Höhenmeter über ihnen im Wald, in Abgeschiedenheit. Das ist nicht die Art von Lokaljournalismus, für die ich stehe. Deshalb bin ich aus Burg Sooneck ausgezogen und habe das Projekt für mich beendet.

Kommentare zu ihrem Abschiedstext sind nicht zugelassen. Auf Twitter heißt es

Jessica Schober wird hier keine Fragen beantworten.

Über die Gründe von Jessicas Schobers Abschied und ihre zuletzt immer spärlichere Präsenz im Netz und im echten Mittelrheinleben ist schon alles gesagt worden. Blicken wir also nach vorn, denn im kommenden Jahr soll das Projekt neu aufgelegt werden. Reden wir darüber, was man aus der jetzt beendeten Aktion lernen kann und was 2016 besser gemacht werden muss. Denn es wird nicht genügen, das bisherige Konzept aus der Büroschublade zu ziehen und zu hoffen, dass es diesmal über volle sechs Monate hinweg gut geht.

Leider klingt die offizielle Stellungnahme der Projektpartner eher nach „Weiter so“ und „Wir haben alles richtig gemacht“, als nach Selbstkritik und Weiterentwicklung:

Weil schon die Pionierphase mit der ersten Burgenbloggerin so spannend, so fruchtbar und so erfolgreich war, haben wir als Träger des Projektes gemeinsam mit Jessica Schober beschlossen: Der Burgenblog wird weiterleben. Wir sagen gerne und mit Freude: Auch 2016 wird es einen Burgenblogger oder eine Burgenbloggerin geben. Wieder soll er oder sie von Mai bis Oktober als digitaler Reporter im Tal unterwegs sein. Und wieder soll er oder sie  über die Reize und Pracht des Mittelrheintales ebenso berichten wie über seine Wunden und Schrunden. Unvoreingenommen, ungebunden und unzensiert.

Lieber Geldgeber und Partner des Burgenblogger-Projekts, ich hätte da ein paar Vorschläge.

1. Werdet euch darüber einig, was ihr wollt: Eine Bloggerin oder eine Journalistin.

Eigentlich bin ich kein Freund der Blogger- oder Journalisten-Schubladen. Im Fall der  Burgenbloggerin ist der Unterschied aber wichtig, weil Jessica Schober je nach Opportunität damit hantiert hat. Wenn ihr danach war, schrieb sie so subjektiv, recherchefrei und selbstreferenziell wie Bloggerinnen das tun dürfen. Aber sobald sie dafür kritisiert wurde und ihre Leser den Dialog suchten, zog sie sich auf den Standpunkt der distanzierten Journalistin zurück, die niemandem Rechenschaft ablegt. Besonders gut war das rund um ihren Artikel „Gegen Heimweh hilft nur Fernweh“ zu beobachten. Einem Text übrigens, der „RZ“-Chefredakteur Christian Lindner wahrscheinlich keinem seiner Lokalredakteure durchgehen lassen würde, journalistische Unabhängigkeit hin, freies Bloggerleben her.

Beim nächsten Bewohner von Burg Sooneck sollte von Anfang an klar sein: Wenn er Blogger sein will, muss er sich im Netz auch wie ein Blogger verhalten und mit seinen Lesern kommunizieren.  Wenn er stattdessen lieber Journalismus alter Schule bevorzugt: Auch okay. Aber dann möge er sich in seinen Artikeln zurücknehmen und uns seine persönlichen Befindlichkeiten ersparen. Entweder, oder.

2.  Die Burgenbloggerin ist eine Dienstleisterin. Und ihr müsst sie führen.

Juristisch gesehen ist die Burgenbloggerin nichts anderes als der Dachdecker, der neue Schieferplatten auf Burg Sooneck verlegt. Wenn die staatliche Burgen- und Schlösserverwaltung Rheinland-Pfalz ihre Handwerker so führen würde wie ihre Blogger, wäre die Sooneck mit billigen Obi-Dachpfannen zum Preis von portugiesischem Naturschiefer eingedeckt. Jessica Schober hat schon vor ihrem Weggang gerade das Nötigste für das Blog getan und zuletzt nur noch Texte mit minimalem Recherche-Aufwand geliefert. Ihre letzter regulärer Artikel erschien am 8. August. Es ging dort um einen regionalen Mäzen, eigentlich ein wunderbarer Stoff für ein Porträt. Heraus kam ein Protokoll mit Aussagen zum Mittelrhein. Journalisten lieben dieses Format, wenn es schnell gehen muss. Man hört sich etwas an, fasst es zusammen, legt es noch einmal zur Abstimmung vor und veröffentlicht es. Fertig. Aufwand: Maximal ein Arbeitstag.

Wie geht man als Auftraggeber damit um, dass der Blogger weniger liefert als versprochen? Wie reagiert man, was sagt man ihm, welche Konsequenzen zieht man zu welchem Zeitpunkt? Oder reicht es, wenn der Burgenblogger furios startet, eine Debatte im Mainzer Landtag verursacht und eine ziemlich lebhafte Facebook-Gruppe initiiert?

Das müssten die Projektpartner klären. Untereinander, im Gespräch mit den nächsten Kandidaten und vor allem gegenüber den Menschen am Mittelrhein, die einfach nur auf gute Blog-Texte warten.

3. Ihr braucht das PR-Gedöns nicht mehr.

Das öffentliche Casting und die Medienpartnerschaft mit der „Rhein-Zeitung“ waren wichtig, um das Projekt bekannt zu machen. 2014. Braucht ihr das jetzt immer noch? Ich glaube nicht. Ein weiteres Casting kostet Zeit und bringt wenig. Es fördert Selbstdarsteller und lenkt von den wirklich wichtigen Dingen ab. Ihr habt im vergangenen Jahr ein ziemlich gutes Anforderungsprofil formuliert

Wir suchen einen Menschen, der sich nicht über das Mittelrheintal erhebt, sondern sich auf diese Gegend einlässt – realistisch, aber auch mit einem Faible für die Thematik und einer Grundsympathie für die Mittelrheiner, die in dieser ebenso schönen wie strapazierten Region beheimatet sind.

Wenn ihr das noch weiter verfeinert, werdet ihr genau wissen, was und wen ihr wollt. Dann könnt ihr gezielt Blogger ansprechen und müsst euch nicht durch Hunderte von Bewerbungen wühlen.

Überlegt euch auch, ob die Medienpartnerschaft zwischen Land und „Rhein-Zeitung“ überhaupt noch sein muss. Wozu braucht man sie? Um das Projekt überregional bekannt zu machen? Dafür ist eine regionale Tageszeitung mit rigoroser Paywall sicher nicht der beste Partner. Um in der Region selbst zu werben? Auch das kann die „Rhein-Zeitung“ nur unvollständig leisten, denn in wesentlichen Teilen der Region ist die Zeitung überhaupt nicht präsent. Man liest dort die „Allgemeine Zeitung“ und ihre Rheingauer Schwestertitel, also Medien der konkurrierenden Verlagsgruppe Rhein-Main. Das Burgenblogger-Projekt muss jetzt auf eigene  Füßen stehen, es braucht kein Zeitungshaus als Nanny.

Abgesehen davon:  Eine „Medienpartnerschaft“ zwischen Staat und Presse ist ein Unding.

4. Nehmt die Burg nicht so wichtig!

Musste Jessica Schober eigentlich durchgehend auf der Burg wohnen? Ich hoffe, nicht. Klar, die Sooneck gehörte am Anfang zum Storytelling, aber kein freier Mensch wird sich zwingen lassen, ein halbes Jahr lang nur dort und nicht anders zu leben. Die Burgwohnung kann immer nur ein Angebot sein,  nie eine Pflicht. Orientiert euch am Beispiel der klassischen Stadtschreiber. Auch von denen erwartet niemand, dass sie kontinuierlich in Türmen oder über Museen hausen. Lasst den oder die Burgenbloggerin an die frische Luft. Es genügt, wenn sie sich oft auf der Sooneck aufhält, nicht ausschließlich.

Und gebt der Bloggerin um Himmels Willen ein unauffälligeres Auto.

Disclaimer: Ich bin der Region privat verbunden und einer der Admins der von Jessica Schober initiierten Facebook-Gruppe „Du kommst vom Mittelrhein, wenn….“

40 Antworten

  1. Ich fand eingentlich den Burgturm-Typen ziemlich gut. Er redet nicht drumrum, ist direkt, steht zu seine Fehlern. Er ist auch der einzige Bewerber, der heute immer noch aktiv am Burgenblogger-Geschehen teilnimmt. Beantwortet Fragen auf Facebook in der Mittelrheingruppe und wichtig „Er kommuniziert!“ nebenebei kann er bloggen und fotgrafieren.

    • Damit tut er aber daß, was Blogger nun mal tun, sie „kommunizieren“ mit anderen Bloggern, Fotografen, Youtubern, … macht ja wohl jeder, selbst Journalisten tun so was und es kommt bei weitem nicht bloß Lobhudelei bei rum, Likst du mich dann like ich dich „nice pic“ …

      Jeder dabbiche Runde Tisch für Flüchtlinge kriegt dass hin … selbst die Hobby-Fotografen in Koblenz haben einen Fotostammtisch und machen Ausflüge zusammen.

      Wenn man will, geht alles …

    • Warum nicht gleich eine PR-Agentur?
      Der „Burgturm-Typ“ ist ein PR-Blogger.
      Auf seiner Seite schreibt er über das neue Batman Game für PC. Das hat er vom Hersteller geschickt bekommen und bewertet es gut.
      Das Teil ist voller Bugs, ist instabil und läuft nicht flüssig.
      Deshalb wurde das Spiel vom Herrsteller aus dem Handel genommen. Bevor der Burturm-Typ es rezensiert hat!!!
      Er schreibt das vorm Spielstart massig Patches instaliert werden und das Game gut läuft und nur ab und zu ruckelt.
      Als er das geschrieben hat gab es aber für PC nur ein Patch. Vor Kurzem ist erst der dritte Patch raus gekommen und viele Spieler schreiben das immer noch nichts richtig funzt.
      Das Game ist immer noch nicht bei Steam erhältlich und das ist die wichtigste legale Download Plattform.
      Wer die PC-Version gut bewertet schreibt für Bezahlung auch das Bahnlärm die Ohren trainiert.

    • Na ja,

      2000.- Euro monatlich von einer Entwicklungs-Agentur Rheinland-Pfalz fördern nicht wirklich einen kritischen Burgenblogger. Jessica Schober hatte Schiß, was kritisches zu schreiben gegen ihre Arbeitgeber. Viele andere haben dankend abgewunken

    • Richtigstellung: Hallo anonymer Detlev. Ich bin kein PR-Blogger. Ich blogge auf BURGTURM und meinen anderen Seiten immer nur über Dinge die mir gefallen. Oft auch ohne Gegenleistung und Honorar. Einfach weil es mir gefällt. Und das ist gut so! Ich schreibe stets das was ich denke. Bei mir läuft das Spiel gut. Habe es wie viele andere z.B. „gronkh“ und „beam“ bei denen es nachweislich auf YouTube im let’sPlay sichtbar ist, auch fast durchgespielt. Mein Gaming-PC ist nicht so schlecht. Er kommt damit klar! Mir gefällt es! Ich habe es als physische Variante in Form von einer DVD. Als ich es testete, war es via Steam erhältlich! Eine Bezahlung habe ich nicht bekommen!

      P.S. Danke für den Vorschlag als Burgenblogger. Ich werde es nicht machen.

      Beste Grüße
      Mac, der Burgturm-Typ :)

    • „Wer die PC-Version gut bewertet schreibt für Bezahlung auch das Bahnlärm die Ohren trainiert.“

      Ich empfehle dringend, derartige Unterstellungen und Verleumdungen bzgl. meiner Person zu unterlassen und zu veröffentlichen.

      Mit freundlichen Grüßen
      Marcus O. Mielke

    • @Marcus Was „Detlev“ schreibt, würde ich noch als polemische Meinungsäußerung durchgehen lassen. Einverstanden?

  2. Bezüglich Shitstorm: Ich stelle mir das gerade bildlich vor, quasi als Karikatur. Ein Riesen-Shitstorm braust durch das Burgenblogger-Forum. Man kann viele Köpfe (die Shitstormer) darin erkennen – und als sich der Sturm so ziemlich gelegt hat, weil das Ziel des Sturms schließlich das Weite gesucht hat, rufen etliche davon in großen Comic-Blasen: „Nein, das war kein Shitstorm, nein, war es nicht. Wirklich nicht!“

    Alle Diskussionsteilnehmer, die in eben nicht fairer Weise in den Foren agiert haben, die sehr wohl die Persönlichkeit von Jessica Schober angegriffen haben, die dürfen sich jetzt gerne angesprochen fühlen.

    Das ist schon ein kleiner Treppenwitz der Burgenblogger-Geschichte, dass diejenigen, die mittendrin steckten, jetzt so tun, als habe es den Shitstorm nie gegeben und sich selbst durch pures Abstreiten reinwaschen wollen.

    Das wird aber nicht ganz so einfach funktionieren, denke ich; jedenfalls nicht bei allen, hoffe ich.

    Ich weiß eigentlich auch nicht, warum ich mich da so einmische; vielleicht, weil ich früher viel mit Mobbern und Gemobbten gearbeitet habe und es dabei nie zugelassen habe, dass die Mobber den Gemobbten auch noch als Täter hinstellen.

    • „Mobbing“, „Hasskommentare“, „Shitstorm“: Geht’s noch, „Felix Krull“? Sie diffamieren hier aus Ihrer verdrucksten Anonymität heraus Menschen, die Ihr Recht auf freie Meinungsäußerung in Anspruch nehmen, und das ärgert mich allmählich. Wenn Sie Ihre Sicht des Burgenblogger-Projekts darlegen wollen, dann tun sie das bitte unter Ihrem Namen auf Ihrer Seite oder wo auch immer, aber hier ist nicht der Ort für spinnerte Verschwörungstheorien von Trollen mit Fantasienamen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

    • Lieber Felix Krull,
      ich kann Ihre ganzen Kommentare bezüglich Shitstorm und Jessicamobbing beim besten Willen nicht nachvollziehen.
      Ich finde Herrn Zimmers Analyse sehr gut und die Kommentare hier sehr sachlich und konstruktiv, ausser Ihre Kommentaren. Diese scheinen nur einen Sinn zu haben, nämlich die angeblich aus dem Amt gemobbte Jessica zu verteidigen und ihr angebliche Mobber zu überzeugen, dass sie Mobber sind.

  3. Mein Eindruck ist, dass sich Lob und Kritik im Blog die Waage gehalten haben. Da gab es ausdauernde Bewunderer und Verteidiger ebenso wie Menschen, die mit Frau Schobers Distanziertheit und dem Umfang ihrer Arbeit unzufrieden waren. Aber einen Shitstorm, also massive Kritik inkl. Beleidigungen und Bedrohungen, gab und gibt es im Blog nicht zu lesen. Zumal Frau Schober ja als „Hausherrin“ des Blogs die Möglichkeit der Kommentierung, der Moderation und nötigenfalls der Löschung von Kommentaren hatte. Und sicherlich besitzt sie auch die sprachlichen Fähigkeiten und das Selbstbewusstsein, um diese Möglichkeiten zu nutzen.

    Die von „Felix Krull“ geäußerte „Ansicht, dass die Region noch nicht reif ist für das Konzept eines Burgenbloggers“ ist, teile ich nicht. Einer ganzen Region die Reife abzusprechen, Gegenstand einer Berichterstattung zu sein, ist genauso polemisch und verletzend wie Frau Schobers Statement vom 14.7., mit dem die Wogen im Blog hochschlugen: „In mir verfestigt sich der Gedanke: Dies ist kein Ort zum Bleiben. Oder präziser: Ich kann hier nicht bleiben.“ Das haben die Menschen am Mittelrhein nicht verdient. Und dann sollte man sich über entsprechende Reaktionen nicht wundern.

    • Dass meine ebenso vorsichtig wie harmlos-naiv geäußerte Ansicht bezüglich der Installierung eines Burgenbloggers am Mittelrhein bei Ihnen sogleich Reaktionen wie „polemisch“, „verletzend“, „Das haben die Menschen am Mittelrhein nicht verdient“ hervorruft, bringt es gut auf den Punkt: Sie unterstellen mir damit Absichten, die ich beim Formulieren niemals hatte. Genauso machen Sie es mit dem Zitat von Frau Schober, die damals lediglich ihre momentanen Befindlichkeiten geäußert hatte.

      Das, was Sie hier zitieren, hat mit „polemisch“ und „verletzend“ wirklich nicht das Allergeringste zu tun, vergällt einem aber schon als Diskussionsteilnehmer jede Lust auf weitere Auseinandersetzungen auf diesem Niveau, weil jedes Wort, das nicht gefällt, emotionalisiert und hochskandalisiert wird und die so ausgelösten Wogen der kollektiven Empörung in keinem Verhältnis mehr zum ursprünglich Gesagten und Gemeinten stehen.

      Es bleibt dann auf Dauer nur Rechtfertigung oder Resignation.

      Ich würde nunmehr wirklich jedem abraten, den Burgenblogger-Job unter solchen Bedingungen übernehmen zu wollen.

    • Vielleicht brechen wir das hier lieber ab, @Felix Krull, denn wir geraten jetzt in eine sinnlose Henne-Ei-Diskussion. Meiner Meinung nach lag das Problem in der fehlenden Dialogbereitschaft der Bloggerin, die dann zu Unzufriedenheit in der Community führte (ein klassisches Eskalationsmuster im Social Web). Sie sehen das genau andersherum. Lassen wir das einfach so stehen, jeder von uns hat seine Sicht der Dinge.

    • Zitat: …“brechen das hier lieber ab“

      Ohje, wenn Frau Schober so geantwortet hätte…die Reaktionen einiger Herrschaften dazu will ich mir gar nicht erst ausmalen. Es gibt ja genügend schreckliche Beispiele dazu im Blogger-Forum.

    • Da ist was dran, @Matthias Eberling. Was mich persönlich positiv überrascht hat: Viele Kommentatoren waren nicht von vornherein auf der einen oder anderen Seite, sondern haben versucht, abzuwägen und zu verstehen. Ist ja im Netz nicht selbstverständlich.

  4. Auch ich habe mich, allerdings halbherzig, für das Projekt beworben. Ich kenne die Hintergründe nicht, halte jedoch die Auswahl der Bloggerin/Journalistin für etwas unglücklich. Es wäre eventuell sinnvoller gewesen, jemand älteren, erfahreneren einzubringen. Damit meine ich nicht mich, aber ein „alter Hase“ im Geschäft hätte sicherlich die Trennung Journalismus/Bloggerei besser zustande gebracht und wäre möglicherweise auch aus Lebenserfahrung heraus weniger, nunja, arrogant an die Geschichte herangegangen.

    So oder so meinen besten Dank für diese kluge Zusammenfassung, Frank.

  5. Danke für die Info zu dem Burgenblogger-Projekt. Für mich klingt das nach einer ganz tollen Sache. In das Dorf gehen, den Ekel vor sich selbst verlieren. .. so viel literarisches Potenzial.

    Als erfahrene Blog-Versagerin weiß ich allerdings auch, wie es ist, mit zu großen Ansprüchen an sich selbst und in der Kommunikation mit einer Redaktion zu scheitern.

    An sich aber ne tolle Sache, wie gesagt, ich will gleich alte Staufer-Bücher hervorsuchen. Schon allein das Autofahren auf dem Land wäre doch einen Blogartikel wert, und vielleicht gibt es dort am Rhein auch Pferde? Auf jeden Fall gibt es ein Buch „Der Rhein“, ich meine es IT von Victor Hugo, jemand schenkte es mir anonym zum Geburtstag. ..

    … also man sieht, ich würde da sofort anfangen. Das Projekt erhält nun sicherlich viel Aufmerksamkeit und ein glücklicher Literat wird nächstes Jahr auf der Burg Großes vollbringen.

    • Das hoffe ich, liebe Julia. Und, dass sich der glückliche Literat das Bloggen nicht selber schwer macht. „I’m not Jessica“-T-Shirt wäre gut, denn Burgenbloggerin Nr. 1 hat in jeder Hinsicht Maßstäbe gesetzt, gute und weniger gute.

  6. Nach wie vor erschließt sich mir der tiefere Sinn dieser Blogger-Aktion nicht. Einerseits sollen die Probleme des Mittelrheintals im Fokus stehen, andererseits potentielle Besucher angesprochen werden. Das passt meiner Meinung nach nicht zusammen. Der/die Burgenblogger/in müsste dementsprechend eine eierlegende Wollmilchsau sein.

    Unabhängig von der fachlichen Qualifikation, hatte ich bereits im Juli den Eindruck, Frau Schober nimmt ihre Aufgabe nicht allzu ernst oder ist ihr nicht gewachsen. Am Freitag Morgen einen vergleichsweise brisanten Beitrag posten und erst Montag Abend wieder aufzutauchen ist verantwortungslos ! Eine Diskussionsteilnehmerin wurde ganze drei Tage im Blog öffentlich mit Namen an den Pranger gestellt. Das darf nicht sein ! In diesem Punkt sollten sich auch die Verantwortlichen bei der Rhein Zeitung angesprochen fühlen.

    Selbst beim Abschluss dieser Aktion hatte man kein glückliches Händchen. Fast drei Wochen den Spekulationen freien Lauf lassen, einen Lob heischenden Abschiedsbeitrag von Frau Schober, die krampfhaften Erklärungen der Verantwortlichen. Das Foto spricht Bände ;-)

    Braucht das Tal für seine Probleme wirklich einen Blogger, der den Finger in die Wunden legt ? In ein paar Wochen ist das Thema wieder durch und alles wird sein wie gehabt ….

    • Ja, wahrscheinlich braucht das Tal nächstes Jahr wieder einen Blogger, denn:
      1.) „The show must go on!“
      2.) Alle Menschen lieben mittlerweile das digitale Kommunikationshamsterrad.
      3.) Es ist halt meist besser, etwas zu tun, als gar nichts zu tun. Selbst wenn nichts dabei herauskommen sollte, war es zumindest „schön, dass wir mal drüber gesprochen haben.“

  7. Sehr gut Analyse, Herr Zimmer! Mein Eindruck des Projekts war, dass Frau Schober sich selbst überschätzt hat bzw. die Aufgabe unterschätzt hat und von ihren Auftraggebern ebenfalls überschätzt oder nicht richtig gebrieft wurde. Vom ersten Tag an traf sie die Aufmerksamkeit der Medien mit voller Wucht: TV-Auftritte, Interviews, Dutzende Anfragen. Wir dürfen nicht vergessen, dass Frau Schober frisch von der Journalistenschule kommt, gerade einige Monate Praxiserfahrung auf der Walz sammeln konnte und noch niemals dauerhaft in einer Redaktion gearbeitet hat.

    Und dann wird diese junge Frau ins kalte Rheinwasser geworfen und sitzt jeden Abend allein in ihrer Kemenate, isoliert von ihrem Freundeskreis, mit dem sie in München nach Feierabend vielleicht noch in einen Biergarten gegangen wäre, auf einer Burg, die ihr das Gefühl gibt „300 Höhenmeter“ von ihren Mitmenschen entfernt zu leben (als Einheimischer musste ich schmunzeln, die Formulierung zeigt aber, die subjektiv empfundene Distanz zu ihren Mitmenschen).

    Was lernen wir daraus? Nächstes Jahr muss ein gestandener Medienprofi auf die Burg (wenn auch nur symbolisch, seinen Aufenthaltsort sollte er frei wählen können), der den Umgang mit der Aufmerksamkeit der Medien und der Menschen, mit Politikern und anderen Multiplikatoren gewohnt ist.

    Im Netz gibt es so schöne Sprüche wie „Content is king“ oder „Content is your friend“. Wenn der Blog nicht regelmäßig mit Inhalten gefüttert wird, klicken die Leser die Seite auch nicht mehr regelmäßig an. Dazu bieten andere „Vetriebswege“ wie Twitter, Facebook oder Instagram die Möglichkeit, auch mal eine Kleinigkeit zu posten. Man muss nicht permanent an geschliffenen Meisterwerken für den Pulitzer-Preis arbeiten, sondern sollte sich von den Lesern jeden Tag ein wenig über die Schulter schauen lassen, während man sich im Tal bewegt. Und zum Blog gehört auch der Kontakt zum Leser im Kommentarbereich. Sonst passiert das, was wir alle erlebt haben: Der unmoderierte Kommentarbereich verwildert, mäandert ungesteuert vom Hölzchen aufs Stöckchen und endet in belanglosen Dialogen am digitalen Gartenzaun.

    Was lernen wir daraus? Ein gestandener Blogger muss den Job machen. Vielleicht jemand mit mehr Lebenserfahrung und Unabhängigkeit, der sich auf der Burgenbloggerstelle auch nicht mehr für einen Arbeitsvertrag bei einer Zeitung oder einem Sender profilieren muss? Jemand, der nicht noch nebenbei für andere Adressen arbeiten muss wie Frau Schober? Ich bin optimistisch. In der ersten Fahrstunde haben wir alle keinen guten Eindruck hinterlassen, aber die zweite wurde dann besser, oder? Und die dritte besser als die zweite.

    • Ich bin hier eben gelandet, weil ich eigentlich etwas über die „Einsamkeit des Burgfräuleins“ und ihre vorzeitige, für mich überraschende Abreise schreiben wollte auf meinem Blog. Aber jetzt lasse ich es lieber, denn wie ich sehe, habe ich das Burgenbloggertum und sein Ende bisher (aus Zeitgründen) nicht intensiv genug verfolgt. Ich war auch nicht in besagter Facebook-Gruppe. Ich fand allerdings die Wahl der Burgenbloggerin anfangs sehr gut: jung, frisch, gute Schreibe und die Walz war eine schräge Idee. Zwar etwas zu journalistisch angehaucht, die junge Frau, aber mit Potential! Ich hab ihr viel zugetraut. Auch ihre Art im „Ich bin die Burgenbloggerin“ Video hat mich für sie eingenommen. Ich habe die Blogartikel abonniert und es wurden immer weniger. Dann las ich plötzlich, dass sie vorzeitig abbricht. Schade. Bei ihrer Erklärung konnte man sich zwischen den Zeilen einiges zusammenreimen. Zumindest, dass Beklemmung und Unzufriedenheit herrschte. Und Druck. Und vielleicht auch zu wenig Freiheit (vermute ich).

      @Matthias Eberling: von allem was ich hier gelesen habe spiegelt Dein Beitrag am meisten meine Meinung wider. Sie war wohl noch zu unerfahren und verständlicherweise auch noch nicht gefestigt genug für eine aus meiner Sicht sehr schwierige persönliche und kommunikative Situation.

      Die Frage ist, wie man das grandios schaffen kann. Alleine wird es bei derartigem medialen Push mMn nichts. Hier braucht man ein starkes Backing von der Presse/Agentur, die dahintersteckt. Hatte Jessica das?

      Und ganz besonders ist es für diesen Job auch nötig, ihn zur Priorität zu machen. Ihn zu leben und mit der eigenen Person auszufüllen. Das ist Jessica leider nicht gelungen, was ich sehr schade finde. Hat die Distanz ihrer Burgwohnung zu ihrer Distanz geführt? Ich denke nicht. Es war etwas anderes. Ich bin auch nur zugezogen, aber mag die Region hier genau dafür, dass man in einer Straußwirtschaft oder Weinstube eben nicht lange allein sitzt. Und ein junges Mädel schon gleich gar nicht.

      Ja, es muss nicht immer der „Pulitzer Preis“ sein. Einfach etwas ‚umtriebiger‘, sichtbarer, das hatte ich mir auch erhofft. Mal einen Schulterblick hier, mal ein Schnappschuss mit lockerem Spruch zur Situation da, zwischendurch ein herzwarmer Bildpost oder Selfie aus der Burgkemmenate – also etwas, das persönliche Nähe erzeugt und zeigt, was sie tut, dass sie DA ist. Einfach mehr authentisch social statt aufgesetzt und distanziert.

      Ich hatte auch überlegt mich zu bewerben, ich wohne in Mainz und fahre 2x/Woche mit dem Zug aus beruflichen Gründen durchs Mittelrheintal (geoutet *autschn*). Aber ich ahnte, dass man nicht so frei agieren kann, wie man das als Blogger braucht, der sich üblicherweise nicht kaufen lässt und auch nicht bloggt um zu verkaufen. Zudem habe ich den Druck vorher geahnt, das war auch nicht sonderlich schwer bei der ‚hochoffiziell besetzten Initiatorenschaft‘. Das musste vllt. so sein, denn sonst wäre es nur eine Ausschreibung der RZ nach einem Journalisten gewesen, aber es sah auch danach aus als müsste man es vielen recht machen. Erwartungen. Das kann zu Blockade führen („bin ich immer stummer geworden“). Ein Blogger muss sein (praktisch in allem), damit es gut wird. Damit es der Region was bringt, den Lesern und auch für Touristen Einblicke bietet, die das Mittelrheintal interessant machen. Damit es frisch & anders gut ist.

      Persönlich fände ich es besser, wenn der Burgenblogger aus der Region, gar dem Mittelrheintal kommt. „Einer von uns“ kennt die Leute, hat Kontakte, kennt Geschichten und kann sie mit mehr Herzenswärme vorstellen als jemand von außerhalb. Wenn ich mal den Blickwinkel eines Touristen UND eines Mittelrheintalers einnehme, hätte derjenige sogar mehr Glaubwürdigkeit. Und man müsste ihn nicht in Lohn und Brot nehmen, sondern nur freien Zugang zum Burgzimmer bieten – je nach Gusto. Ich könnte mir auch eine Serie „Talk im Burgturm“ vorstellen oder ähnliches.

      Der Blick eines Fremden auf die Region – und dann auch noch offenbar mit Schwerpunkt auf deren Schattenseiten – ist nur kurzzeitig charmant. In etwa solange wie man als Bewohner sagt „sieh an, so sieht man uns also“. Vorgehaltene Spiegel lösen Kritikpotential aus, das liegt in der Natur der Sache. Und wie wir gelerrnt haben sollte man Lokalpatriotismus (in seiner Schärfe) nicht unterschätzen. Die Position als Fremde zu kommen und gleich mal kritisch zu sein ist keine einfache (und die Frage ist, ob sie gerechtfertigt ist). Mal abgesehen davon, dass Jessica hier durchaus auch einige Fehler gemacht hat. Aber kann so etwas überhaupt gut gehen? Es gibt den Spruch: „Wen man liebt, den darf man auch härter kritisieren.“ Von daher kommt für mich eigentlich nur ein begabter und open-mindeder (sorry!) Mittelrheiner in Frage, der seine Region liebt, sie in ihren verschiedenen Facetten beleuchtet und Verbesserungen anregt. Der Credibility hat. Dieser Job ist kein Ponyhof. Das hat man nun gesehen. Aber er braucht Unabhängigkeit, Erfahrung im Umgang mit sozialen Medien und eine Person, die die Rolle mit Haut & Haar vertritt/ausfüllt. Last but not least: die Humor hat. Damit verdauen sich auch angesprochene Probleme leichter.

    • @Dina Lewicki Danke für deinen interessanten Text. Da ist einiges dran. Hättest du denn heute noch Interesse an dem Burgenblogger-Job?

  8. Sehr gute Analyse. Leider bleiben die Gründe für den Abbruch des Projekts vollkommen im Dunkeln. Die gelieferte Begründung, die Burg liege zu weit außerhalb ist ja wohl ein Witz. Das hätte ihr früher auffallen können und zudem war sie ja mobil.

  9. Ich habe gehadert, ob ich hier was schreibe. Warum? Weil ich mich selbst für das Projekt beworben hatte.

    Ich tue es dennoch.
    Ich finde es schade, daß der Burgenblogger-Versuch im ersten Anlauf nun gescheitert ist. Und ja, ich hoffe auf eine Fortsetzung. Ich hoffe auf eine positivere Fortsetzung.

    Vielleicht mit einem anonymen Burgenblogger, keinem der durch auffällige Autos und andere Dinge schon auf zehn Kilometer Entfernung zu erkennen ist. Jemand der anonym sich in der Gegend umschaut und drüber bloggt. Der aber nicht nur alle paar Tage bloggt wie scheiße es doch ist, sondern der auch mal positive Dinge rüberbringt. Die haben zum Schluß gefehlt und bei dem was im Blog kam habe ich mich mehrmals gefragt: ist das alles? Ein Artikel pro Woche? Was macht das Mädel den Rest der Woche?

    Las man das Blog als potentieller Tourist, so konnte man auf den Gedanken kommen um die Region lieber einen großen Bogen zu machen. War das wirklich so gewollt? Klar sollte man nicht alles durch die rosarote Brille sehen, aber es fehlten die positiven Beiträge und da hätte es einiges gegeben worüber man hätte schreiben können.

    Jessica war von Anfang an keine Idealbesetzung. Böse Zungen behaupten es musste aber eine Frau werden, weil in der Jury nur Männer saßen. ;) Ihr fehlte zudem das Social Media-Engagement. Wenige Tweets, fast nur wenig Interaktion dort mit den Followern. Wenige und wenig aussagekräftige Fotos auf Instagram. Da wäre viel mehr möglich gewesen. Sie war halt keine Trafficnutte, niemand der rund um die Uhr sein Leben in den sozialen Netzwerken ausbreitet, kein Hansdampf in allen Gassen.

    Schauen wir mal wie es 2016 weiter geht. Hoffentlich besser.

  10. Sehr geehrter Herr Dr. Zimmer,

    Kompliment und herzlichen Dank für Ihre Analyse – die sich in vielen Punkten mit unserer Bewertung der ersten Staffel des Burgenblogger-Projektes deckt. Mit „uns“ meine ich die Projektpartner, die den Blog ersonnen und ermöglicht haben: GDKE, Entwicklungsagentur und Rhein-Zeitung.

    Weil uns an der Region und an dem Projekt viel liegt, kann ich Ihnen und allen anderen Interessierten versichern: An eigenem Schulterklopfen ist uns nicht gelegen – und ein dumpfes „Weiter so“ wird es mit uns nicht geben. Wir reden intensiv über Phase 1 und über die Folgerungen, die wir daraus für Phase 2 ziehen sollten. Und bei fast allen Punkten, die Sie angesprochen haben, sind wir bei Ihnen oder sehr nah bei Ihnen.

    Sie werden mir nachsehen, wenn ich die Rolle der Rhein-Zeitung anders sehe als Sie:

    – So haben unser Webmaster und unsere Webdesignerin den Burgenblog (im engen Dialog mit Jessica Schober!) technisch und optisch entwickelt, realisiert und weiter betreut.

    – Wir haben das Thema mit unser großen Social Media-Reichweite (63.000 Follower bei Twitter, 34.000 Freude bei Facebook) definitiv hilfreich verbreitet – ganz unabhängig von unserer Paywall.

    – Print hilft einem Blog. Bei der #Siffgate-Debatte etwa war es so: Sie wurde erst so richtig Thema, als wir das Interview von Jessica Schober mit Staatssekretär Walter Schumacher in Print nachgedruckt haben.

    – Das Obere Mittelrheintales liegt im Wesentlichen im Verbreitungsgebiet der Rhein-Zeitung – und zwar auf beiden Seiten des Flusses.

    Unabhängig davon: Sie können gewiss sein, dass Thomas Metz (GDKE), Rainer Zeimentz (Entwicklungsagentur), ich und unsere jeweiligen Mitarbeiter, die sich für das Projekt engagieren, so gute und kluge Gedanken wie die Ihren aufnehmen und reflektieren.

    Auch und gerade dann, wenn es kritische Anmerkungen sind.

    Christian Lindner
    Rhein-Zeitung / Rhein-Zeitung.de
    Chefredakteur

    • Also die Forderung nach Ausschluss der Rhein-Zeitung wäre eventuell verhandelbar…
      Im Ernst: Die RZ hat sehr große Verdienste um das Projekt, das soll hier nicht unter den Tisch fallen. Ich bin trotzdem zwiegespalten, denn in den zurückliegenden Wochen wirkt es so, als würde in Sachen Burgenbloggerin zwischen RZ und Landesregierung kein Blatt Papier passen. Bei vielen Leuten entstand der Eindruck, „die Medien“ und das Innenministerium ziehen die Burgenbloggerin mit durch und bügeln jede Kritik an ihr gemeinsam ab. Mir ist aber bewusst, dass die gemeinsame (Krisen-)Kommunikation in so einem Fall äußerst schwierig ist. Einerseits müssen die Projektpartner Jessica Schober schützen und Solidaridät zeigen, andererseits waren Reparaturen am laufenden System nötig. Eine wahrscheinlich unlösbare Aufgabe.

    • Muss mal kurz eine kleine Lanze für Herrn Lindner brechen. Als ich ihn beim Burgenblogger-Final-Casting kennenlernte, spürte ich viel Herzblut und Leidenschaft bei ihm für das Thema. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er sich das auch ganz anders vorgestellt hat und es ihn nun sehr wurmt, wie das abgelaufen ist und dass das Projekt, so wie es gedacht war, scheiterte. Gleiches, so vermute ich, geht in Herrn Collerius (dem Burgverwalter) vor. Aber das ist nur meine Meinung und meine Einschätzung, so wie ich die beiden kennengelernt habe.

    • Lieber Herr Lindner,

      das große Highlight nach ca. 3 Wochen war mit Sicherheit der „scoop“ des sogenannten Siffgates, wenigstens aus politischer und medienaufmerksamkeitsweckender (was für ein Wort) Sicht.

      Würde man mal einen Spannungsbogen ziehen, so beginnt bereits mit dem „Siffgate“ berits der Sturz ins Bodenlose.

      Climax nach 3 Wochen … man wartet … man wartet … nicht passiert mehr…

      Hinsichtlich Herrn Zimmer’s Beitrag …

      Es wird nicht an der Einsamkeit der Burg gelegen haben, nicht am Auto oder an der Farbe ihrer Journalistenschulen-Absolventenweste.

      Man könnte hinterfragen, wie denn so die W*lz der Frau S. gesehen wurde. Gerade auch von den Zünften.
      Ihre Zunftschreiner-Freundin hat 4 Wochen auf Festung Ehrenbreitstein gearbeitet, es waren etliche Zunftveranstaltungen auf der Festung, die Schreinerin war nett, ich selber bin dort gewesen … Frau S. irgendwie nicht.

      Man wolle gerne zusammen was unternehmen, so hieß es, denn ich kenne ja sicherlich das Mittelrheintal in fotografischer Hinsicht recht gut,so hieß es …

      Nun denn, nach 5 Tagen Burgenblogger-Projekt wurde die Kommentarfunktion im Blog, auf Facebook und nach dem ersten (1.) Retweet auch Twitter gesperrt von Frau S., jegliche Beiträge gelöscht.

      Netzwerken gehört wohl auch dazu, wenn man Blogger, Journalist, Medienkreativer sein möchte.

      Wenn ich nicht fotografieren will, dann suche ich mir einen Fotografen, … aber ein Kontroll-Freak mit extrem niedriger Toleranzschwelle war da leider eine klassiche Fehlbesetzung.

      Grüße

      Thomas Wilden

      Und nein, ich klopf mir jetzt nicht auf die Schulter mit dem „siehste, hab ich doch gleich gesagt …“, denn sie geht weg und ich lebe nach wir vor in Koblenz (wenn auch mit gelegentlichen Flüchten in andere Kulturen.

    • Zitat
      Nun denn, nach 5 Tagen Burgenblogger-Projekt wurde die Kommentarfunktion im Blog, auf Facebook und nach dem ersten (1.) Retweet auch Twitter gesperrt von Frau S., jegliche Beiträge gelöscht.
      Tatiz

      Das ist völliger Quatsch bzw. schlicht die Unwahrheit. Wie kommen Sie denn auf einen solchen Unsinn? Total absurd.

    • Das klingt nach Missverständnis. Ich hatte Thomas Wilden in seinem Kommentar so verstanden, dass Jessica nur seine Beiträge gelöscht und ihn selbst geblockt hatte – aus welchen Gründen auch immer.

    • Aha. Dann scheint Herr Wilden zu denjenigen zu gehören, die versucht haben, Jessica gleich zu Beginn des Blogs für sich zu vereinnahmen. Da war er wohl nicht der einzige (wie man frühen Kommentaren zu Blogbeiträgen leicht entnehmen kann), und nun reagiert er in einem Brief an den Chefredaktuer der RZ sehr beleidigt und ergeht sich in seltsamen Andeutungen („Man könnte hinterfragen…“), die ich hier nicht kommentieren möchte, um nicht noch ein weiteres „Missverständnis“ zu produzieren.

      Jedenfalls wirft dieses ganze Nachkarten, das keine sachliche Kritik darstellt, sondern die Persönlichkeit eines Menschen angreift („Kontrollfreak mit extrem niedriger Toleranzschwelle“ ist da nur ein Beispiel von vielen), kein sehr gutes Licht auf die Zunft der Jessica-Kritiker.

      Der nächste Kandidat muss befürchten, dass ihn ebenfalls ein Shitstorm erwartet, wenn er sich nicht so verhält, wie es einige Leute hier wünschen (wenn er/sie zum Beispiel vielleicht einmal ein kritisches Wort verliert, das gewissen Anrainern oder Ex-Bewerbern nicht gefällt).

      Ich komme mehr und mehr zu der Ansicht, dass die Region noch nicht reif ist für das Konzept eines Burgenbloggers.

    • Lieber Felix Krull, die Persönlichkeit von Jessica Schober steht hier nicht zur Debatte, da haben Sie recht. Ansonsten machen Sie es sich ein bisschen einfach, finde ich. Es gibt nicht die „Zunft der Jessica-Kritiker“, sondern viele unterschiedliche Menschen, die ihr Recht auf öffentliche Meinungsäußerung in unterschiedlicher Intensität wahrgenommen haben. Nicht alles davon war angemessen, ein oder zwei Posts gegen eine Verteidigerin der Burgenbloggerin waren sogar ausgesprochen hämisch, aber nach meinem Eindruck verlief die Debatte überwiegend fair und ausgewogen. Ihren Ausdruck „Shitstorm“ kann ich jedenfalls nicht nachvollziehen. Ich beschäftige mich schon von Berufs wegen mit dem Phänomen Shitstorm, und DAS war bestimmt keiner. Darum glaube ich auch nicht, dass „die Region noch nicht reif für das Konzept eines Burgenbloggers“ sei, wie Sie schreiben. Was sicher nicht funktionieren wird, ist das Konzept „Wagenburgbloggerin“, das Jessica Schober nachträglich zum Opfer tumber Provinzdeppen stilisieren will. Das mag zwar bequem sein, aber es entspricht nicht der Realität.

    • Hallo Herr Zimmer,

      danke für Ihre Antwort.

      Ihnen kommt freilich nicht das Definitionsrecht darüber zu, was ein Shitstorm ist und was nicht, auch wenn Sie sich beruflich damit beschäftigen.

      Das tun andere Leute auch und die sehen das, was sich hier abgespielt hat, ganz anders, weil sie vielleicht ein wenig unvoreingenommener sind als Sie, der Sie sich ja selbst rege an der Debatte beteiligt haben.

      Und Sie stellen bitte auch nicht alternativlos fest, was nun der Realität entspricht und was nicht, und ob die Debatte nun „überwiegend fair“ verlief oder nicht. Und was Sie lediglich mit dem Begriff „hämisch“ bezeichnen haben andere als strafwürdig angesehen.

      Überhaupt ist Ihre Replik an mich durchzogen von Verharmlosungen („Recht auf öffentliche Meinungsäußerung in unterschiedlicher Intensität wahrgenommen“) und Widerlegungen von Behauptungen, die überhaupt niemand aufgestellt hat.

      So war Frau Schober bestimmt nicht das „Opfer tumber Provinzdeppen“ (hat das jemand gesagt?), sondern, spekuliere ich jetzt mal frei von der Leber weg, von ganz anderen Leuten.

    • Dann nennen Sie doch mal Ross und Reiter, lieber Felix Krull. Das Sie hier anonym und mit einer Trash-Mail-Adresse auftreten, geht ja noch an, aber dann sollten Sie wenigstens in Ihren Posts konkret werden. Wen meinen Sie mit „anderen Leuten“?

    • Felix Krull: Das war nie und nimmer ein Shitstorm. Das war vielleicht mal kurz eine leichte, schnell verfliegende und kaum riechende Blähung. Man kann es auch übertreiben.

  11. Was für ein langer Artikel für eine kurze Erkenntnis: Bei der Auswahl der Bloggerin wurde danebengegriffen. Passiert dem besten Personalchef. Im Unternehmen hieße das: Die Bewerberin hat die Probezeit nicht überstanden.

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