Huffington Post: Zurück in die Zukunft

Mark Twain, 1909. Foto: Library of Congress / Public Domain / Wikipedia
Mark Twain, 1909. Foto: Library of Congress / Public Domain / Wikipedia

Donnerstag also kommt die Huffington Post nach Deutschland, das „Anti-Geschäftsmodell für Journalismus“, wie der Vorstandschef von Axel Springer meint. Ganz abgesehen davon, dass man auch in manchen Springer-Publikationen etwas Anti-Journalistisches erkennen könnte: Die Huffington Post ist weder der Untergang des Journalismus noch seine alternativlose Zukunft. Vielleicht ist es eher seine Vergangenheit.

Wenn wir an Huffington Post denken, denken wir zuerst an kostenlose Blogger und aggregierten Content. Beides ist zwar typisch für die Huffington Post, aber Gratis-Gastbeiträge und nichtinvestigative Artikel haben deutsche Medien auch ohne Arianna Huffington fertiggebracht (was übrigens keine Schande ist).

Außer kostenlos und aggregiert steht die Huffington Post aber noch für etwas anderes: für die Entakademisierung des Journalismus. Damit meine ich nicht nur die Blogger, die ohne journalistische Ausbildung und Erfahrung HuffPo-Artikel schreiben. Auch bei der Auswahl der Redakteure spielen akademische Abschlüsse oder Volontariate keine besondere Rolle.

In der aktuellen „Zeit“ (Printausgabe) erzählt Götz Hamann von einem 27-Jährigen Workaholic namens Travis Donovan, der noch vor drei Jahren „keine Ahnung vom Journalismus hatte“ und sich als Sozialarbeiter um behindertengerechtes Wohnen in Flagstaff, Arizona, kümmerte. Dann machte er ein Praktikum bei der Huffington Post, ergatterte dort einen Job als Redakteur für Umweltthemen, baute die HuffPo-Seite Huffington Post Green auf und treibt heute als eine Art journalistischer Entwicklungschef („executive editor of product“) Innovationen bei der HuffPo voran. Mit 27. Ohne nennenswerte journalistische Vorgeschichte. Aber mit Energie, Einsatz und vorzeigbaren Ergebnissen. Eine in den „klassischen Medien“ undenkbare Karriere. Oder?

Blicken wir auf die Pionierzeit der „klassischen Medien“ zurück, gehen wir mal kurz ins 19. und frühe 20. Jahrhundert. Journalist wurde man damals nicht durch Lernen, sondern durch Machen. Journalistenschule? Gab es nicht. Studium? Nicht nötig. Abitur? Nice to have. Das, was man heute „formale Qualifikation“ nennt: Unbekannt.

Mark Twain jobbte als Schriftsetzer, Missisipi-Lotse und Goldgräber, eher er Lokaljournalist wurde. William Howard Russell, der Vater der modernen Kriegsberichterstattung, studierte ein bißchen in Dublin und Cambrigde und schrieb ab 1841 für die „Times“. Damals war er 20 Jahre alt. Ernest Hemingway startete seine Laufbahn als Redakteur bei einer Regionalzeitung namens „Kansas City Star„. Mit 18. Und Theodor Wolff hatte noch nicht einmal Abitur. Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger hat einen der bedeutendsten Journalistenpreise der Republik nach ihm benannt. Gibt es einen deutschen Zeitungsverleger, der jemanden mit Theodor Wolffs Qualifikation heute in irgendeine Redaktion aufnehmen würde? Ich glaube nicht.

Aber man muss noch nicht einmal Ausnahmeschreiber wie Mark Twain, Ernest Hemingway oder Theodor Wolff bemühen, um die Vorurteilslosigkeit damaliger Verleger und Chefredakteure zu dokumentieren. In der Mitte des 19. Jahrhunderts war die „Augsburger Allgemeine Zeitung“ eine der renommiertesten Blätter im deutschen Sprachraum (sie hat mit der heutigen AZ nur den Namen gemein). Der Titelheld meiner Dissertation, Karl von Hofmann, Diplomat und Ministerpräsident des Großherzogtums Hessen in der Reichsgründungszeit (muss man nicht kennen), schrieb als absolut unbekannter Rechtsreferendar politische Artikel für die „Augsburger Allgemeine“. Natürlich ohne jede formale journalistische Qualifikation.

Journalismus als von anderen Berufsgruppen abgeschottete und akademisierte Profession, als Klasse für sich: das ist eine Erfindung des späten 20. Jahrhunderts. Wobei dieses Konzept von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. Denn das Grundrecht der Meinungs- und Pressefreiheit kennt keine Journalisten. Es kennt nur Bürger, die dieses Recht in Anspruch nehmen – egal wie qualifiziert oder wie gut oder wie schlecht. Die deutsche Huffington Post macht sich das zunutze, weiter nichts.

8 Kommentare

  1. @Sascha, Dr. Zimmer und Roswitha Schäfer-Neubauer,

    zunächst mal ein freundliches Hallo in die Runde. Zur HuffPo-Einschätzung zunächst mal meine Zustimmung an die beiden anderen Gäste – sowohl an Frau Schäfer, als auch Sascha. Frau Schäfer stimme ich nicht nur hinsichtlich Ihres Schlusses zu. Und damit komme ich auch zu Sascha. Ich selbst habe einen geisteswissenschaftlichen Studienabschluss und eine längere Zeit im ör-TV hinter mir – bis in die „erste Reihe“. Und es stimmt – Journalismus ist ein Handwerk, das man lernen muss. Und das ist ein ziemlich langer Weg! Vor allem für Akademiker – denn der universitäre Sprachduktus macht einen, zumindest für Publikumsmedien zunächst mal höchst „unbrauchbar“. Das Lernen fängt danach an, in der Praxis. Aber die Voraussetzungen dafür beginnen mindestens in einer vernünftigen Schulausbildung. Denn dort werden im Idealfall mal die Minima für korrekte Informationsbeschaffung gelernt. Zum Beispiel in Fächern, in denen man lernt, wie unser Staatssystem und unsere Verwaltung aufgebaut sind, schlicht, wer für was „zuständig“ ist – und zwar auch abseits hoheitlicher Stellen. Fragen Sie mal einen Blogger (oder auch Schulabbrecher) nach dem „Oeckle“! Da fängts nämlich dann schon an. Und das ist erst mal nur die „wasserdichte“ Infobeschaffung! Das Schreiben an sich – ohne Talent und Eifer unmöglich, gar keine Frage! – da fängt dann das Lernen in der Praxis (bydoing) erst an. Das Aktuelle, ob Zeitung, Radio oder TV, ist dafür eine harte, aber sehr gute Schule zum Einstieg.
    Lernen setzt nämlich auch eines voraus: Erfolgskontrolle! Und wer in der Praxis sollte einem die ermöglichen, wenn nicht ein erfahrener verantwortlicher Redakteur? Sind alle entscheidenden Fragen beantwortet? Und so nicht, zumindest gestellt? Kann das Ganze einer kritischen juristischen Prüfung standhalten, wenn man mal jemanden anpinkelt? Und welchen Unterschied macht das „Texten“ zwischen Meldung, Beitrag, Feature, Reportage, Kommentar, Editorial?
    Das alles wissen und können Blogger aus reiner analytischer Medienrezeption!?! Soso… (Ich bin mir nicht mal sicher, ob das mit der gebotenen handwerklichen Sicherheit alle festangestellten – und mithin in Verantwortung befindlichen Redakteure der HuffPo) wirklich draufhaben.
    Weswegen ich meine Zweifel daran habe, dass die HuffPo und ihr „Geschäftsmodell“ (besser: Ausbeutungsprinzip, siehe R-S-N) allzuviel mit Journalismus zu tun haben. Was nicht heißt, dass die HuffPo Journalismus ausschließt! Sicher werden die sich über exzellente professionelle journalistische Beiträge freuen. Die Frage ist, ob sie es bei ihrem „Geschäftsmodell“ in nennenswertem Umfang kriegen werden. Oder ob vielleicht gerade deswegen nicht, weil gute Leute auch schnell zu der Auffassung kommen könnten, dass eine dort zusätzlich erworbene „Aufmerksamkeit“ ggf. negativ kompensiert wird. Weil sich schlicht jeder, der es kann und weiß, welche Arbeit das macht, doch fragen müsste, welches Licht es auf ihn werfen könnte, wenn er sich dafür für „umme“ hergibt…
    Beste Grüße
    F.

  2. „Gratisschreiberei sorgt für Demokratisierung des Journalistenjobs“ – das finde ich eine feine These und wenn es so käme, wäre das sicherlich zu begrüßen.

    Zu viele Redaktionen kranken an dem beschriebenen Akademiker-Schreiber-Journo-Neuling (Endzwanziger, obere Mittelschicht, Studium, „Spaß am Schreiben“), einfach, weil sie nur auf solche Kräfte setzen. Es ist so, wie Du beschrieben hast: Kaum eine Redaktion traut sich noch, talentierte Realschüler einzuarbeiten, nur langsam setzen die Chefetagen auf Migranten und Kinder aus Familien mit geringem Einkommen kommen wegen der langen Ausbildungszeiten ohnehin kaum vor. Das schadet der Vielfalt in den Redaktionen, ein Kollege meinte mal zu mir: „So wenig ich es Dir wünsche, aus einer Hartz-IV-Familie zu kommen, so sehr tut es dem Journalismus als solches gut, wenn diejenigen, die darüber schreiben, es auch mal erlebt haben.“ Nun ist Empathie im Einzelfall nicht immer eine Frage des persönlichen Erlebens, aber in Summe stimme ich diesem Attest zu, dem Journalismus geht etwas verloren. (Das ist zum Beispiel auch am großstadtfixierten Hipster-Jugendbegriff der Neon zu sehen, in der Hunderttausende Bürokaufleute vom Land genauso wenig vorkommen wie Schützenvereine, Automechaniker oder Feuerwehren, obwohl sie sicher repräsentativer für die angesprochene Generation sind als ein paar tausend Avantgardisten in den Großstädten.)

    Sollte sich also Journalismus öffnen? Aber immer! Hoffentlich kommt das, hoffentlich nimmt das Heranziehen des Nachwuchses nur nach eigenen Vorbild ab.

    Ob allerdings ausgerechnet die Huffington Post mit Ihrem bunten Gemischtwarenladen und den in Teilen fragwürdigen Bezahlpraktiken für eine solche Demokratisierung stehen könnte, wird sich wohl erst in den kommenden Monaten zeigen.
    Ich halte es durchaus für möglich, dass der Markt die Seite kaum annimmt (es wäre immerhin die erste extra fürs Internet gelernte General-Interest-Marke) oder dass sich die daraus entstehende Diskussion stattdessen auf die Billigheimer-Mentalität der Seite konzentriert. Dann hätten wir auf den Panels der Nation aber eher die Debatte „Kühlschrank voll durch Aufmerksamkeit – ist die HuffPo die Zukunft des Journalismus?“ als die viel nötigere Diskussion „Neue Schreiber, neue Themen, neue Leser – was alle von der niedrigschwelligen HuffPo lernen können“.

    1. @Christian Fahrenbach Danke für den interessanten Kommentar. An diesen Klassen-Aspekt hatte ich ehrlich gesagt gar nicht gedacht, aber es stimmt natürlich: Klassischer Journalismus findet überwiegend in der klassischen Mittelschicht statt. Dieser bürgerliche Jungakademiker-Sound klingt z.B. bei der Süddeutschen Zeitung ganz unnachahmlich durch. Wäre Stoff für eine interessante soziologische Studie.

  3. Guten Morgen –

    Zum Schreiben gehört vor allem eins – Talent. Talent. Talent.
    Das kannst du weder erlernen, noch trainieren.
    Die oben genannten Autoren waren in erster Linie Schriftsteller, bis heute und wahrscheinich alle Ewigkeiten berühmt. Dass sie zwischendurch auch journalistisch tätig waren, hat der Sprache und der Vielfalt und Vielfarbigkeit des Textes sicher nicht geschadet.

    Ich habe in meiner langen Zeit bei der ARD diverse, um nicht zu sagen, „viele“ Praktikanten an die Hand bekommen, die „zum Rundfunk“ wollten.

    Hier kommt noch ein Merkmal hinzu – die Stimme sollte nicht unbedingt den Hörer vergraulen. Aber um beim Thema zu bleiben –

    Man kann „Journalismus“ nicht lernen, sondern „by doing“.
    Ich habe Sprachen und Politik und Völkerrecht studiert, Diplom, und dazu noch dies und das. Mit dieser Grundlage fühlte ich mich top-fit, sprachlich – auf jeder Sprachetage. Politisch, kulturell, psychologisch und mehr : Alles außer Sport, würde ic sagen. Aber Sport interessiert mich auch nicht.

    Es geht um die Sprache, Sprache, Sprache.
    Daher plädiere ich durchaus dafür, dass Journalisten – ebenso wie Lehrer – vor allem auf ihr Talent hin gecheckt werden sollten. Bildung und Wissen als Hintergrund halte ich ebenfalls für unverzichtbar. Es geht dabei gar nicht um den akademischen Grad. Es geht konkret um diese Jahre des Lernens, die man ja zu diesem Zwecke an der Universität verbracht hatte. Mit vier Sprachen bin ich nicht nur polyglott, sondern auch in der Kultur des jeweiligen Landes at home. Mit sprachanalytischen Semestern und ein paar Semestern vergleichender Linguistik – kannst du mit Deiner Muttersprache, wie auch mit den Fremdsprachen umgehen, wie mit einem Haustier – sie gehorchen Dir fast immer…

    Als ich plötzlich, ohne jedes Praktikum, ohne jedes Volontariat- bei meinem ersten Sender mit dann auch schnell großen Themen und Features auftauchte (es war der Hessische Rundfunk) – später auch parallel dazu Fernsehen, wurde ich oft gefragt,
    wie hast du das gemacht? Was muß man lernen? Was muß man können?

    „Du musst schreiben können, leidenschaftlich sein, und bitte mit etwas Hintergrund-Wissen“ – das über das hinausgeht, was sie an Journalistenschulen mitgeben. Und du mußt willig und willens sein – Dich täglich, wirklich täglich, womöglich in eine neue Materie – ein neues Thema einzuarbeiten. Reinzuknien. Und es dann anschaulich rüberbringen. Sprachlich einwandfrei. Inhaltlich spannend. Juristisch unangreifbar.

    Et voilà !

    Ich betreibe seit 2002 ein online-Magazin. Damals entstand wohl das Wort Bloggen gerade erst. Inzwischen langweilt mich das. Es sollte für mich damals das schnellste und preiswerteste Medium sein, wir hatten schon Echt-Schreiben im System, und so schreibe ich auch heute noch: „Es ist halb drei “ – und dann ist halb drei.

    Aber da nun jeder alles schreibt, beliebig und viel und oft nur überhaupt einzig und allein von der privaten Meinung beherrscht – ist es für mich langweilig geworden.

    Wir sind gerade dabei, wieder zum PRINT-Medium zurückzukehren, als Zeitung. Nicht ohne das schnelle Medium Internet nicht gleichzeitig zu nutzen.

    Aber die Huffpo – im Rücken fette Verlage, die Autoren dafür gratis schreibend – das ist für mich eine Verarsche total. Sorry für den Absturz in die Gossensprache…
    Aber ich halte das Huffpo-System für Gosse. Und hinterfotziger als das Ausbeute-System der Schwer-Industrie im 19. Jahrhundert….

    Überlegt mal, warum….

    Mit lieben Grüssen aus Berlin

    Roswitha (Pensionista, aber nur von der biologischen Zahl her…))

    1. @Roswitha Vielen Dank für Ihren Kommentar. Sie vertreten die Gegenposition zu @Sascha, aber ich bin nicht ganz Ihrer Meinung. Ich glaube zum Beispiel, dass man Schreiben sehr wohl lernen kann. Vielleicht nicht unbedingt im Publizistik-Studium, aber zumindest durch das Lesen guter Texte und durch Training. Zumindest eine saubere Nachricht muss dann drin sein, das ist Handwerkszeug. Vieles ist aber auch nur eine Zeitfrage, und Zeit ist in den meisten Redaktionen leider Mangelware. Das Modell der Huffington Post muss man meiner Meinung nach akzeptieren. Man könnte es sogar begrüßen, wenn damit eine nachhaltig profitable Medienmarke mit anständig bezahlter Redaktion geschaffen würde. Die HuffPo hat ja nicht nur Gratis-Autoren, sondern auch professionelle Redakteure. Aber das ist der Punkt. Derzeit ist die HuffPo ein Zuschussgeschäft. Wenn sie es aber nicht schafft, dauerhaft Gewinn abzuwerfen, dann hat der werbefinanzierte Online-Journalismus weltweit ein Problem. Es wäre ein verheerendes Signal für alle digitalen Medien, denn eine Rückkehr in die alte Printwelt wird es nicht geben.

  4. Sorry, aber da schreiben Sie am eigentlichen Thema vorbei. Natürlich darf jeder – Gott sei Dank – in Deutschland das Recht für sich in Anspruch nehmen, seine Meinung zu veröffentlichen. Aber mit echtem Journalismus hat reine Meinungsäußerung nichts zu tun. Echter Journalismus ist nämlich ein Handwerk, das gelernt werden muss. Stilformen, Quellenverifikation, Unterscheidung zwischen Nachricht und Kommentar, rechtlich sichere Verdachtsberichterstattung – so etwas lernt man im zweijährigen Volontariat oder an der Journalistenschule. Und es ist gut, dass man diese Qualifikationen erwerben und dann ausüben kann.

    Dass die Grundregeln des Journalismus im Alltagsgeschäft leider nicht immer eingehalten werden ist bedauerlich, ja. Und auch die Sparmaßnahmen in vielen Verlagen fordern leider zunehmend ihren Tribut.

    Dennoch: Es gibt sehr gute Gründe, warum professioneller Journalismus etwas anderes ist (oder sein sollte) als Hobby-Bloggerei. Und das hat wenig mit Meinungsfreiheit zu tun , ebenfalls wenig mit Akademisierung und noch weniger mit der HP – sondern mit einem Qualitätsanspruch. Würde da kein Unterschied mehr gezogen – traurig wäre es.

    1. @Sascha Ich trete nicht die Abschaffung des akademisierten Journalismus ein. Ich beschreibe sie nur. Denn ich glaube, dass Blogs, soziale Netzwerke und jetzt auch die Medienmarke Huffington Post den Exklusivitätsanspruch der journalistischen Klasse nachhaltig erschüttert hat – ob uns das passt, oder nicht. Journalistische Qualität hängt meiner Meinung nach auch nicht zwingend von einer bestimmten Vorbildung ab. Natürlich ist die erfolgreiche Absolvierung einer renommierten Journalistenschule ein ganz starkes Indiz für hochwertige inhaltliche Arbeit. Aber nicht die Voraussetzung. Und das darf auch niemals so sein, denn das müsste konsequent zu Ende gedacht in eine Art „Bundesjournalistenkammer“ münden, die im Sinne von Angebotsverknappung und Standesrecht für Journalisten zwar ökonomisch zu begrüßen wäre, aber das Ende von Presse- und Meinungs- und Publikationsfreiheit bedeuteten würde. Die Begriffe „Journalist“, „Redakteur“ und „Volontär“ sind gesetzlich nicht geschützt und Sie werden auch im Grundgesetz das Wort „Journalist“ nicht finden. Natürlich wollen wir alle inhaltliche Qualität. Aber diese inhaltliche Qualität ist weder juristisch noch in der publizistischen Praxis das Monopol von Journalisten. Wie würden Sie „Journalist“ und „Blogger“ eigentlich definieren? Was ist z.B. Sascha Lobo, der für Spiegel Online schreibt? Oder Michael Spreng? Oder Stefan Niggemeier? Und wie journalistisch arbeitete der FAZ-Ressortleiter Marcel Reich-Ranicki, der sich sicher nicht als „Journalist“ definiert hat? Ich glaube, es ist schwierig (und eigentlich auch müßig), unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Vorbildungen und Funktionen in die Schubladen Journalist oder Nicht-Journalist einzuordnen.

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