Content Marketing: Einmal mit Profis arbeiten

Die Idee war großartig, das Konzept gut formuliert, und bei der Umsetzung wollten der Chefredakteur der „Rhein-Zeitung“ und die Vertreter der Landesregierung von Rheinland-Pfalz auf Nummer sicher gehen.  „Einmal mit Profis arbeiten“, werden sich Christian Lindner (Rhein-Zeitung), Rainer Zeimentz (Innenministerium) und Thomas Metz (Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz) gedacht haben, als sie aus Hunderten von Bewerbern eine professionelle Journalistin auswählten. So kam Jessica Schober aus München zu einem Job als Burgenblogger in einer der bekanntesten Landschaften Deutschlands,  dem Welterbe Oberes Mittelrheintal rund um die Loreley. Die Casting-Gewinnerin war perfekt ausgebildet (Deutsche Journalistenschule), interessierte sich leidenschaftlich für Lokaljournalismus, hatte ein eigenes, viel beachtetes Blogprojekt namens Wortwalz gestemmt und überzeugte durch eine mitreißende […]

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Wiedervorlage für 2020

„8 Fragen zur Zukunft des Journalismus“ heißt eine Interview-Serie, die auf dem Blog der Kölner Agentur OSK und beim Online-Dienst t3n.de erscheint. Am Montag dieser Woche war ich an der Reihe. Eigentlich kann ich mit der „Zukunft-des-Journalismus“-Debatte wenig anfangen, weil sie sich fast immer nur im Kreis dreht. Wahrscheinlich ist auch mein eigener Beitrag dazu wenig originell, aber ehe man bei einem vermeintlich ausdiskutierten Thema mit den Augen rollt (wozu ich leider vorschnell neige), sollte man sich über seine Position klar werden und sie formulieren. Der Journalist und Blogger Carsten Christian hat mich mit seinen „8 Fragen“ dazu gezwungen und bei Frage 6 freundlich aber unerbittlich nachgehakt. 1. Wie zeichnet […]

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SPIEGEL-Leser klicken mehr

Neulich erzählte Sascha Lobo auf einem FAZ-Podium von seinen praktischen Problemen mit kostenpflichtigem Journalismus im Internet. Er habe es beispielsweise nicht geschafft, ein Digital-Produkt der Süddeutschen Zeitung zu kaufen, obwohl er sich ernsthaft darum bemüht habe und sich im Internet auch ganz gut auskenne (ab Minute 4 in diesem Video). Sascha Lobos Kritik am verlegerischen Verständnis von Usability ging in der Runde ein bisschen unter, weil es offiziell um „20 Jahre Online-Journalismus“ ging, ein weites Feld also. Tatsächlich ist der größte Feind vieler Print-Verlage nicht das Internet, sondern die eigene Kundenansprache. Ein Beispiel dafür ist der digitale Spiegel. In der aktuellen Ausgabe steht ein echter Scoop: Halbprivate Äußerungen des früheren […]

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Die Crowd, die sich nicht traut

Kaum ein klassischer Print-Verlag würde seine IVW-Auflage so unverfroren frisieren, wie die Krautreporter die Zahl ihrer „Unterstützer“ (zu denen ich übrigens auch gehöre). Krautreporter-Gründer Sebastian Esser freut sich im NDR-Interview mit Daniel Bröckerhoff über „15.000 Leute, die wollen, dass es klappt“. 15.000 Unterstützer: So viele wollten die Krautreporter gewinnen, um ihr Journalismus-Projekt ein Jahr lang finanzieren zu können. Leider haben sie haben ihr Ziel verfehlt, denn das amtliche Endergenbnis – 16.506 – ist ein Marketing-Gag. Meist anonyme Großspender durften bis zu 1.000 „Unterstützer“ simulieren. Peter Esser bestreitet das auf Nachfrage von Bröckerhoff auch gar nicht. Mehr dazu in dieser Analyse von Achim Tack. Seine Liste deutet darauf hin, dass neben […]

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Leser wollen gute Geschichten und kein Digital-Gedöns

Sie möchten Springer enteignen? Mir fehlt dazu gerade die Motivation, denn mit dem neuen iPad-Magazin „Epos“ („Das erste Wissen- und Geschichtsmagazin für die digitale Zeit“) ist dem Konzern ein großer Wurf gelungen. Die erste „Epos“-Ausgabe erzählt für 6,99 Euro die Geschichte des Ersten Weltkriegs. Und zwar so, dass man ihr folgen kann. Das klingt simpel, ist aber in technikverliebten Entwicklungsredaktionen alles andere als selbstverständlich. Viele digitalen Erzählformate kranken nämlich daran, dass sie vor lauter Multimedia-Kraft die Story nicht zum Laufen bringen und den Leser hilflos zwischen Text-, Bild- und Video-Elementen umherirren lassen. Das erinnert dann an einen Opel-Manta-Fahrer, der an der Ampel lieber die Stereo-Anlage aufdreht und den Motor aufheulen lässt, als bei […]

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TV-Historienfilme: Ich wähle Winston statt Wagner

Churchill? Das war doch der unsportliche Dicke mit der Taschenuhr, der im Zweiten Weltkrieg immer Zigarren geraucht hat. So ungefähr würden viele Deutsche antworten, wenn man sie nach Winston Churchill fragte, dem Mann, ohne den wir als Teenager wahrscheinlich alle in der Hitlerjugend gelandet wären. Dabei lohnt es sich, das Multi-Talent Churchill näher kennen zu lernen. Multi-Talent nennen wir heute einen Politiker, wenn er neben der Geschäftsordnung seiner Landtagsfraktion auch die EU-Abgasnorm zitieren kann. Churchill schaffte mehr: Er war als Politiker so bedeutend wie als Autor. Er bekämpfte Nazi-Deutschland so früh, so lange und so zäh wie kein anderer alliierter Staatsmann, er schrieb dicke historische Bücher und er gewann 1953 […]

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Warum Storify das Internet ein bisschen besser machen könnte

Das Internet wird von Geheimdiensten überwacht und von Shitstorm-Idioten tyrannisiert. Aber abgesehen davon steckt es immer noch voller guter Möglichkeiten. Eine davon heißt Storify. Diese Social-Media-Plattform wird die Welt nicht retten (geschweige denn Facebook ersetzen), aber wenn man eine Nummer kleiner akzeptiert, kann man damit interessante Geschichten erzählen; zusammengestellt aus Artikeln, Tweets, Facebook-Posts, Bildern und Videos unterschiedlicher Internetnutzer. Wie die meisten guten Ideen ist auch die des Storify-Gründers Xavier Damman (ein Belgier in San Francisco) simpel: Man sammelt Inhalte zu einem bestimmten Thema und stellt sie per Drag and Drop in der gewünschten Reihenfolge zusammen. Jedes dieser Content-Collagen („Storifies“) ist eigentlich nichts anderes als das klassische Dossier. Nur übersichtlicher und vielfältiger in […]

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Lobos Internet und Broders Kondome

Wenn Henryk M. Broder von jemanden behauptet, er verstünde etwas nicht richtig, dann meint er damit gewöhnlich: „Jemand hat eine andere Meinung als ich“. Diesmal geht es dem „Welt“-Kolumnisten um Sascha Lobo, der in in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ ausführlich, sehr persönlich und ziemlich gut über die Deformation des Internets durch die NSA-Affäre geschrieben hat („Das Internet ist kaputt“). Alles nicht so schlimm, meint Broder, denn Lobo „versteht nur das Wesen der Dinge nicht richtig“. Das Internet sei weder kaputt noch gut oder böse. Es handle sich ja nur um eine Technologie. Und Technologien würden manchmal eben missbraucht. So wie ein Lastwagen, der Soldaten an die Front transportiere statt Tomaten […]

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Die „Welt“ und ihr Krieg: Sorry, wir waren trotzdem die Bösen

Die gute Nachricht ist: Von Kaiser Wilhelm ist Welt.de noch ein ganzes Stück weit entfernt. So verlogen bizarr wie Seine Majestät im August 1914 („Mitten im Frieden überfällt uns der Feind“) argumentiert die „Welt“-Redaktion nicht. Ihre soeben gestartete Serie über den Ersten Weltkrieg relativiert die deutsche Verantwortung für Europas Ur-Katastrophe nur. Zum Auftakt hat „Welt“-Autorin Cora Stephan einen Artikel aus dem vergangenen November recycelt. Die Kernthesen lauten hier wie dort: „Das Deutsche Reich war nicht ’schuld‘ am Ersten Weltkrieg“ Eigentlich wollte Deutschland sich ja nur verteidigen Irgendwie waren doch alle auf Krawall aus Wenn England nicht eingegriffen hätte, wäre aus dem Krieg kein Weltkrieg geworden Und darum sind wie Deutschen ein […]

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Neue Innovationsfehlerwege: Wenn das Phrasenschwein dreimal pfeift

Das Phrasenschwein ist auch so eine bedrohte Tierart. Die Zukunft-der-Medien-Debattierer stopfen gerade so viele Fünf-Euro-Scheine rein, dass es es irgendwann platzen muss. Verfolgt man zum Beispiel auf Twitter die Diskussion im Münchner Presseclub „Die Huffington Post Deutschland: Die Zukunft des Online-Journalismus oder ein Schritt in die falsche Richtung?“ fragt man sich: „Wie lange hält das arme Tier das noch aus? Und geht unwillkürlich in Deckung, um nicht von umherfliegenden Porzellanteilen getroffen zu werden. Folgende Sätze machen dem Schwein und einer konstruktiven Debatte besonders schwer zu schaffen: Wir müssen neue Wege gehen Wir müssen Fehler machen  Im Valley Macht zusammen 15 Euro. Eine überschaubare Investition, aber dann doch zu wenig, um […]

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